NORBERT CONZEN - Kunstprojekte, Filme, Fotografien, Zeichnungen

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Stelen 1996-2006

Franken

 


Standorte Berg, Pulheim, Cochem; Aquarell, Kugelschreiber, 2000-2003, jeweils 50 x 60 cm

Marktbtreit: Zeichnung Norbert Conzen
Standorte Marktbreit, Schwabach, Landshut; Aquarell, Kugelschreiber, 2000-2003, jeweils 50 x 60 cm

Rech: Zeichnung Norbert Conzen Eschwege: Zeichnung Norbert Conzen Buchet: Zeichnung Norbert Conzen
Standorte Rech (Ahr), Eschwege, Buchet; Aquarell, Kugelschreiber, 2000-2003, jeweils 50 x 60 cm

 

231 Stelen: Zeichnungen
(mit Fotos der Standortmarkierungen)

Wenn Norbert F. Conzen seine Stelen in der Landschaft platziert, geschieht das eben nicht zum Zwecke einer kulissenhaften Dramatisierung des Ausblicks wie bei einem Bühnenbild, nach dessen ästhetischer Leitfunktion man im 18/19. Jh. auch die Panoramalandschaften in den weiträumig konzipierten Parkanlagen geschaffen hatte.

Conzen hat alle Plätze mit den Stelen fotografisch dokumentiert und außerdem bei seinen Wanderungen vor Ort die Landschaft in Aquarellen festgehalten: Diese Pinselzeichnungen sind alle in monochromem Blau angelegt – wie verblassende Erinnerungen, in denen nur noch das Bild einer markanten Form im Gedächtnis verblieben ist, aber nicht mehr das einzelne, nuancenreiche Detail. In den Aquarellen zum Bunkerweg sind schemenhaft Soldaten erkennbar, als ob verschwommene Traumbilder kurz aus dem Unterbewussten hervordringen und dann sofort wieder verschwinden.

Die Zeichnungen halten in realistischer Manier Waldausschnitte fest und Nahansichten von den Markierungen an den Bäumen. Sie erfassen die unmittelbare Umgebung der Stelen, aber indem Conzen z.B. den markierten Baum in die Mitte des Bildes setzt, folgt er kompositorisch seinen künstlerischen Vorstellungen von Harmonie. Man denkt an die Skizzen, die früher die Zeichner von Expeditionen in unbekannte Regionen mitbrachten. Auch diese Skizzen zeigten Ansichten von einer Welt, die zwar real ist, deren Wiedergabe jedoch durch den „künstlerischen Blick“ gefiltert wurde. Es findet bei Conzens Zeichnungen freilich keine ästhetische Korrektur des Gesehenen statt, sondern lediglich eine optimale Wahl des Blickpunkts (und des Bildausschnitts) – und zwar vor allem zu Dokumentationszwecken. Fast immer zeigen die vor Ort entstandenen Aquarelle die gleiche Ansicht wie die Fotos. Kompositorisch und farblich halten sich diese Pinsel- und Kugelschreiberzeichnungen von einer malerischen Tradition fern, wie sie im 17. Jh. Jacob Ruysdael mit seinen Waldbildern begründet hat – Ruysdaels Bilder waren ja auch noch nicht vom Geist der Aufklärung beseelt. Conzens Blätter haben hingegen als Pendant die rationale Verortung mittels der Kartografie. Hier, bei der Vermessung, wird der Anspruch auf Objektivität und Nachvollziehbarkeit im Sinne eines positivistischen Wissenschaftsbegriffs eingelöst – und damit vermag das Aufklärerische über das Romantizistische zu triumphieren. (Jürgen Raap, 2003)