NORBERT CONZEN - Kunstprojekte, Filme, Fotografien, Zeichnungen

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Die Ästhetik des Waldsterbens

Von Uli Kreikebaum, 19.10.09, Kölner Stadt-Anzeiger
Norbert Conzen bezeichnet sich selbst als Allrounder. Er arbeitet als Designer und macht Kurzfilme. Mit einem davon ist er nun direkt bei vier Festivals im deutschsprachigen Raum gelandet, er heißt „Waldsterben“

Norbert Conzens Kurzfilm „Waldsterben“ läuft auf vier Festivals. (Bild: Kreikebaum)
Bornheim-Walberberg - In der Schule hatte Norbert Conzen in Kunst nur die Note „vier“. „Mich hat es nie interessiert, etwas nach Anweisungen zu zeichnen“, sagt er und beschreibt sich damit vermutlich ziemlich treffend. Wer Conzens Filme sieht - voller Spiegelungen und langsamer Kamerafahrten, eindringlich, verstörend, schwer verdaulich - kann schließen, dass da einer auf (künstlerische) Konventionen keinen gesteigerten Wert legt.
Als der Teenager Norbert Conzen seinem Hürther Realschullehrer seine Mappe mit Zeichnungen zeigte, „hätte der mir fast eine runtergehauen“, erinnert sich der heute 55-Jährige. „Warum hast du mir das nie gesagt? Du kannst an der Werkschule studieren“, habe der Lehrer gesagt - und läutete damit eine künstlerische Laufbahn ein, die nun einen weiteren Höhepunkt erfährt: Mit seinem Film „Waldsterben“ ist Conzen bei vier Kurzfilmfestivals für einen Preis nominiert.
Max-Ernst-Stipendium
Beim Internationalen Shortmoves-Kurzfilmfestival in Halle / Saale kamen insgesamt 24 Kurzfilme unter Hunderten eingesandten in die engere Preisauswahl. In Aarau (Schweiz) läuft eine Kurzversion des Waldsterben-Films. Das Festival „Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ ist populär, weil für das Projekt Filmemacher wie Tom Tykwer und Fatih Akin stehen. Besonders freut sich Conzen, dass er auch zum Internationalen Kurzfilmfest München eingeladen wurde.
Als 21-Jähriger erhielt Norbert Conzen 1976 das Max-Ernst-Stipendium, damit ist er bis heute der jüngste Preisträger. Der Wahl-Walberberger realisierte Filme für Arte, ZDF und den WDR, bestritt Ausstellungen mit seinen Bildern, Installationen, Zeichnungen und Fotografien und gestaltet jedes Jahr den Hürther Kulturkalender. Den Großteil seines Geldes verdient er jedoch als Produktdesigner.
Als „Allrounder“ bezeichnet sich Norbert Conzen selbst. Dass er mit seinem Kurzfilm „Waldsterben“ nun gleich zu vier Festivals fahren darf, wundert den gebürtigen Hürther: „Ich hatte das noch nie gemacht. Und ich hätte nie gedacht, mit so einem Thema Interesse wecken zu können.“
Conzens Kurzfilm ist keine leichte Kost: „Totentanz“ nennt er die surreale Bildfolge, für die er sich zweier Techniken bedient. Das Absterben der Bäume empfindet der Künstler nach, indem er in regelmäßigen Abständen Äste ins Bild fallen lässt. Eine besondere Ästhetik verleiht er dem Grauen, indem er die Bilder mit Hilfe eines Computerprogramms spiegelt: Die Äste, die zu Boden fallen, scheinen zu schweben, jedes Zittern nach dem Aufprall wird festgehalten. Im Hintergrund sind Singvögel zu hören, die eher bedrohlich als munter klingen.
„Die Katastrophe lässt sich ästhetisch darstellen“, sagt Conzen, wendet aber gleich ein, dass er mit „Waldsterben“ keinen Katastrophenfilm machen wollte: So ideologisch sei er nicht mehr; die Zeit, als er mit den Grünen gegen die Kernkraft und das Waldsterben kämpfte, sei vorbei. Die Ästhetik wolle er durch die Brechungen der Bilder schaffen. Es brauche - heutzutage mehr denn je - einen Anreiz, um hinzugucken und dabei zu bleiben. Dass es darum geht, Sehreize zu schaffen, habe er bei der Ausstellung zum Pressefoto des Jahres gelernt: Auf den Bildern ist meist viel Blut und Leid zu sehen, fotografiert aus überraschender Perspektive. „Die Bilder sind rein ästhetisch“, sagt Conzen. Auf diese Konvention, immerhin, lässt er sich ein. Ein wiederkehrendes Motiv in Conzens Filmen ist neben der Spiegelung die Langsamkeit. Die Kamera verharrt minutenlang oder wird im Schneckentempo gedreht, um unscheinbare Lichtreflexe oder Bewegungen mit Bedeutung aufzuladen. „Wir leben in einer Zeit des Bilderspektakels, in der niemand mehr richtig hinguckt. Wenn die Leute sich jetzt schon für meine Filme interessieren und in zehn Jahren, wenn sie von der Schnelligkeit genug haben, vielleicht noch mehr, dann freut mich das natürlich.“ Conzen sagt das langsam, in rheinischem Tonfall. Die Zeit kann ihm, so scheint es, nichts anhaben.

http://www.rhein-erft-online.ksta.de/html/artikel/1246884019885.shtml


Bildgewaltiger „Totentanz“ des Waldes

Von MARGRET KLOSE, Bonner Rundschau 29.09.09

„Waldsterben“ heißt der Sieben-Minuten-Film, mit dem der Wahl-Walberberger Norbert Conzen auf der internationalen Film-Bühne zurzeit mächtigen Eindruck macht. Gleich... BORNHEIM. „Waldsterben“ heißt der Sieben-Minuten-Film, mit dem der Wahl-Walberberger Norbert Conzen auf der internationalen Film-Bühne zurzeit mächtigen Eindruck macht.
Gleich vier mal ist sein Kurzfilm für Preise nominiert: beim neunten Internationalen Shortmoves-Kurzfilmfestival Halle, beim Internationalen Kurzfilmfest München, bei „Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ und beim schweizerischen „one minute international film & video festival“ in Aarau.
Es könnten noch weitere Nominierungen hinzu kommen, denn insgesamt hat Conzen seinen Streifen „Waldsterben“ bei zehn Filmfestivals eingereicht. Dabei ist dies keiner der üblichen dokumentarisch-kritischen Filme, in dem in aller Deutlichkeit auf die drohende Umweltkatastrophe des Waldsterbens aufmerksam gemacht wird. „Der Film lebt von den Bildern“, sagt der 55-jährige Grafiker und Maler. Conzen spannt mit dem Film eine Brücke zwischen einem Kunstwerk und einem Dokumentarfilm. Für ihn ist der Streifen eine Art „Totentanz des Waldes“. Denn zu sehen ist eine beeindruckende Abfolge ästhetischer Bilder, die jedoch durch ihre besondere und eindrucksvolle Aufnahmen sehr wohl auch an die in den Medien ausgestrahlten Bilder der Nachrichtensender aus Katastrophengebieten erinnert.
Der in Hürth aufgewachsene Künstler lebt seit 15 Jahren in Walberberg. Und genau dort, wenige Schritte von seinem Wohnhaus entfernt, hat er im nahen Villewald sterbende Bäume mit der Kamera eingefangen. „Die Aufnahmen habe ich im Walberberger Wald tief im Unterholz und Gestrüpp, nahe des Hauptweges entlang der Jugendakademie gemacht“, erzählt er von den Dreharbeiten im vergangenen Jahr. Und nur zu gut sind ihm auch noch die vielen Zeckenbisse in Erinnerung, die er sich bei seinen Abstechern ins Unterholz zugezogen hatte.
Denn mit einem Ausflug ins Gestrüpp war der Film längst nicht im Kasten. Bevor die endgültige siebenminütige Fassung stand, marschierte er an fünf Drehtagen zu unterschiedlichen Tageszeiten los, machte Probeaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Aus mehr als zwei Stunden Filmmaterial ist daraus der Kurzfilm „Waldsterben“ entstanden. Fertiggestellt wurde der Film schließlich zu Hause am Computer mit spezieller Schnitt- und Spiegeltechnik, mit der Conzen seit drei Jahren arbeitet. Dadurch verleiht er seinem Wald eine ganz besondere Symmetrie. Gleich einem sich ständig wandelnden Kunstwerk, lässt er die Bäume, abbrechende Äste und Zweige synchron „durch den Wald tanzen“. Verstärkt wird der „Totentanz“ durch die begleitenden Tonaufnahmen mit vor Ort aufgenommenen Warnrufen einheimischer Singvögel wie Amsel, Blaumeise, Zaunkönig und Eichelhäher. In den Vorbereitungen zu seinem Kurzfilm „Waldsterben“ hat Conzen in 77 Wälder in ganz Deutschland fotografiert, gezeichnet und überall auch Szenen aufgenommen. „Dabei sind zehn Kurzfilme entstanden.“
Leben kann Conzen von seinen Kurzfilmen jedoch nicht. Den Lebensunterhalt verdient sich der Maler und Künstler vorwiegend als Grafiker. In der Branche hat sich Conzen längst einen Namen gemacht. So entwickelt er Verpackungs- und Produktdesign für ganz verschiedene Anbieter, Cover für CDs, Plakate für die Bundeskunsthalle. Er hat die ersten Printmedien-Werbungen in den 1980er Jahren für einen großen Discounter mit entwickelt, und er hat bei der Printmedien-Werbung für Lebensmittel mitgewirkt. In seiner Heimat Hürth kennt man den „Walberberger Filmemacher“ auch als Gestalter des Hürther Kulturkalenders.


Kölner Stadt-Anzeiger, 10.09.08

Das Auge wurde in die Irre geführt
Von Susanne NeumannLesung im Löhrerhof

Zur literarischen Beschäftigung mit „Wasserwelten“ gesellte sich eine Visuelle.
...Fesselnd und anstrengend zugleich war auch der zweite Teil des Abends. Bis zu jener leichten Übelkeit, die man in der Magengegend empfindet, wenn man seine Augen überfordert, treibt den Betrachter das Kunstvideo „Fluss 2007“ von Norbert Conzen. Der vielseitige Bornheimer Künstler hat Filmaufnahmen von Flüssen per digitaler Bildbearbeitung gespiegelt. Bis zu acht Achsen durchziehen die meist mit statischer Einstellung gefilmten Flusslandschaften und Wasserbewegungen und bewirken, dass Schiffe, Enten oder auch Wellen mit sich selbst verschmelzen und in der Mitte des fließenden Bildes verschwinden, wie aus dem Nichts herausbrechen und zu neuen, bewegten Kunstgebilden werden.Der Strom des Rheins wird mit vertikaler Spiegelung zum Himmel, bizarre symmetrische Muster entstehen. Wenn Conzen in seinen Filmsequenzen vom Nil die Achsen wandern lässt, scheinen sich Teile der Uferböschung und der darauf fahrenden Autos wie auf Kulissen zu bewegen, die hintereinander hin und her geschoben werden. Das so in die Irre geführte Auge sucht selbst dort nach der Spiegelung, wo mal keine ist. Bei anderen Filmsequenzen nimmt man die Spiegelung zunächst gar nicht wahr, zum Beispiel, wenn Conzen aus der Vogelperspektive eine senkrechte Achse in die Mitte des Laufs der Erft legt: Die absolute Symmetrie, in der dadurch die Uferböschungen zueinander liegen, erscheinen auf den ersten Blick natürlich.


Kunstforum, 24.07.2008

Wasserwelten

„Wasserwelten" ist eines der Themen des diesjährigen „LiteraturHerbst Rhein-Erft 2008". Der Bornheimer Künstler NorbertF. Conzen beteiligt sich mit seinem Kunstvideo „Fluss 2007". Die Bildszenen hat er mehrfach gespiegelt und mit langen weichen Überblendungen ineinander kopiert. Conzen beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit generell mit den „Grenzbereichen zwischen Natur und Kultur".

Er erwandert zu Fuß die Landschaften in den verschiedenen europäischen Regionen und hinterlässt entlang des Weges hölzerne Markierungen in Form einer Stele („Kunstforum" berichtete). An diesen Plätzen entstehen dann Zeichnungen und Fotografien, in jüngster Zeit vermehrt auch Filme und Videos. „Fluss 2007" wird am 9. September 2008 um 20 Uhr im Kulturzentrum Löhrerhof in Hürth aufgeführt (Lindenstr.) (JR)


Kunstforum International - Band 166, August - Oktober 2003, Seite 408

231 STELEN
231 hölzerne Stelen hat der Künstler Norbert F. Conzen aus Bornheim/Rheinland zwischen 1995 und 2003 zwischen Usedom an der Ostsee und dem Mittelmeer in Südfrankreich im Landschaftsraum platziert. Sie erinnern an Wegkreuze und Markierungen für Landvermessungen, und einige von ihnen sind auch tatsächlich nachträglich von Wandervereinen und Forstbehörden als Träger für Schilder umfunktioniert worden. Ein Drittel des Projekts besteht aus geschnitzten und bemalten Holzskulpturen. Weitere 77 Objekte sind "gefundene" Skulpturen wie Grenzsteine, Wegweiser etc., und für das restliche Drittel nahm Conzen Bäume, bei denen er ein Stück Rinde ausschnitt und die betreffende Stelle ausmalte. In einem zweiten Projektschritt hat Conzen die Orte kartografisch, fotografisch und mit Aquarellzeichnungen erfasst. Der Schwund ist gering: In acht Jahren sind nur zehn Stelen komplett verschwunden oder beschädigt worden. 2004 will Conzen über dieses Projekt eine umfangreiche Dokumentation publizieren.


Kunstforum International - Band 133, Februar – April 1996, Seite 490

231 STELEN

Copyright Norbert Conzen: Stele bei Acht
NORBERT F. CONZEN, Das 231-Stelen-Projekt, 1995/96 - Stele Nr.2, Berg/Kreis Altenahr
 
"Ich habe immer seriell gearbeitet, und dabei spielte in vielen Projekten die Zahl '7' oder '12' eine Rolle." So begründet der Kölner Künstler Norbert F. Conzen die Wahl von 3 x 77 = 231 für die Anzahl der plastischen Holzstelen, die er bis zum Jahr 2000 von Skandinavien bis zum Mittelmeerraum in der freien Natur plazieren will. Die Arbeiten erinnern vage an katholische Wegkreuze und indianische Totempfähle und werden als Manifestation gegen den weit verbreiteten Willen in der Kunst, Ewigkeitswerte zu schaffen, der Verwitterung preisgegeben. In der Eifel begriff die Landbevölkerung eine der Stelen tatsächlich als modernes Wegkreuz und legte davor Blumenkränze nieder, wie man das auch heute noch bei traditionellen Statuen am Wegesrand macht.