Regelmässig erwandert Norbert Conzen seit 1981 Landschaften innerhalb Europas und markiert seine Wege in Form von eines blau-weiss-grünen Zeichen oder auch einer Holzstele. An diesen Wegmarkierungen entstehen Filme, Fotografien und Zeichnungen, die als Erinnerung und Dokumentation an einen künstlerischen Prozess mitgenommen werden. Die zurückgelassenen Skulpturen oder Zeichen werden dem Einfluss von Mensch und Natur überlassen. Sie sind auch nicht als Kunstwerk deklariert und geniesen somit auch nicht den imaginären Schutz dieser Objekte.
Die Wertschätzung des jeweiligen Standortes wird durch visuelle, akustische oder emotionale Reize ausgelöst, die entweder spontan durch eine aktuell spürbare Spannung der raum-zeit-bezogenen Vorgänge zwischen Mensch und Landschaft oder durch eine Recherche über der mit dem Platz verbundenen Attraktion zustande kommt.
Die Zeichnungen sind meistens Aquarell- oder Kugelschreiberskizzen, die im unteren linken oder rechten Raum des Blattes grob fixiert werden und später im Atelier durch ihre Spiegelbilder ergänzt werden. Genauso verfährt der Künstler mit der Fotografie. Er fotografiert den Plazierungsort in einem Ausschnitt, der bereits die spätere vier-, sechs- oder vielfach gespiegelte Bildbearbeitung berücksichtigt, um eine visuell optimale Gesamtkomposition zu erreichen, um den emotionalen Empfindungen vor Ort visuell gerecht zu werden. Das Originalfoto wird somit nicht vera?Nndert. Die mittels GPS-Daten zu findenden Orte sind für den Besucher vielleicht nicht mit der des Künstlers erlebten Sensibilität zu erfahren, er wird jedoch eine andere nicht weniger tiefe Emotion verspüren. (Egon Sender)
1. Waldsterben (Version 2010) / Forest dieback, 5:33
“In der Weltwald-Konferenz des Jahres 2009 beschlossen die Bäume, wenn sie schon sterben sollten, dies in Form eines symmetrischen geordneten Balletts zu tun.” Das "Waldsterben" wird im Film zu einer ästhetischen Inszenierung, in der sich abbrechende Äste zu einer zuckenden und sich kontinuierlich verändernden Skulptur verbinden. Die Tonspur unterstützt das Katastrophenballet mit Warnrufen von einheimischen Singvögeln wie Amsel, Blaumeise, Zaunkönig und Eichelhäher. "Waldsterben" ist jedoch kein mahnender Naturfilm, er zeigt vielmehr eine hypnotisierende Bilderschlacht.
2. Tonnen-Tanz / Cask Dance, 2:34
Fünf gelbe Tonnen in einem etwa 150 Jahre alten Ahornbaum bewegen sich im Rhythmus der Musik. Kurzfilm zu der Installation “Göttersitze” am Kunstverein Buchet.
3. Hirschterror / Deer Terror, 3:40
Die Brunftzeit der Hirsche mit ihrem ekstasischen Röhren verstummt nach drei Schüssen und eine Phase der Ruhe wird eingeleitet. Jedoch bleibt die Erinnerung an die Hirsche durch das gespiegelte Herbstlaub wach und der Zuschauer erwartet jederzeit einen erneuten Hirschterror. Es taucht aber nur eine Fliege auf.
4. Gotteslob / Praise God, 3:38
Fallende Baumstämme bemühen sich, unterstützt von einem gregorianischen Gotteslobgesang im Hall einer Kathedrale, ein symmetrisches Gefüge herzustellen, das der göttlichen Ordnung nahe kommt.
5. Schiffswalzer / Ship Waltz, 4:02
Fähren und Schiffe verwandeln sich in raumschiffartige Stahlgebilde, die sich nach und nach auf einen gespiegelten Tanz mit der Landschaft einlassen.
6. Nil-Kreuzfahrt / Nile Cruise, 4:48
Impressionen einer typischen Kreuzfahrt auf dem Nil, die die Ruhe und Schönheit der kargen vorbeiziehenden Landschaft einfängt, aber im Minutenwechsel von einem geballten Kulturprogramm an den jeweiligen Tempelanlagen unterbrochen wird.
7. Mosel-Bermuda / Moselle Bermuda, 3:12
Das Geheimnis der Wellen ergründet sich erst nach einer Weile, aber dann ist es für ein Motorboot zu spät und es verschwindet im Mosel-Bermuda-Dreieck.
Die DVD ist für 15,. EUR inkl. Versand erhältlich und kann per Mail gegen Rechnung bei ARTart.de bestellt werden.
Kurzfilm "Waldsterben" mittlerweile für sechs Festivals nominiert
Gleich für sechs Filmfestivals wurde der in Bornheim-Walberberg gedrehte Kurzfilm "Waldsterben" von Norbert Conzen nominiert.
Der Film entstand 2009 im Rahmen eines zehnteiligen Zyklus zum Thema "Wald" in einem Waldstück bei Walberberg Nähe der Jugendakademie. Bis zur endgültigen siebenminütigen Fassung wurden an vier Drehtagen umfangreiche Probeaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen gemacht. Das “Waldsterben” wird im Film zu einer höchst ästhetischen Inszenierung, in der sich abbrechende Äste zu einer zuckenden und sich ständig verändernden Großskulptur verbinden. Die Tonspur unterlegt den Katastrophentanz mit Warnrufen von einheimischen Singvögeln wie Amsel, Blaumeise, Zaunkönig und Eichelhäher. "Waldsterben" ist jedoch kein mahnender Naturfilm, er zeigt vielmehr nur eine imposante atemberaubende Bilderschlacht. "Das Ballett eines sterbenden Waldes bringt beeindruckend hypnotisierende Bilder hervor", lautet die Begründung der Jury des Shortmoves-Kurzfilmfestivals Halle.
9. Internationale Shortmoves-Kurzfilmfestival Halle/Saale
18. und 19. September 2009
Aus hunderten eingesandten Filmen wurden 24 Kurzfilme aus Kanada, USA und Europa darunter "Waldsterben" für das renommierte Festival nominiert.
Liste der nominierten Filme unter: http://shortmoves.de/besucherinfos/programm09/
one minute international film & video festival aarau switzerland
21. bis 23. August 2009
Im schweizerischen Aarau läuft der auf eine Minute reduzierte Film "Waldsterben" im Wettbewerb Kunst- und Experimentalfilm. Katalog online. http://www.oneminute.ch
Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation
Der Film "Waldsterben" wurde in den Kurzfilmwettbewerb aufgenommen.
Ob Dokumentation oder Fiktion, Animation oder Musikclip, der persönlichen Sicht der Dinge sind keine Grenzen gesetzt. Der Beitrag muss lediglich zum Thema passen und darf nicht länger als 5 Minuten dauern. http://deutschland09-der-film.de/kurzfilmwettbewerb/uebersicht
Internationales Kurzfilmfest München
15.-18. Oktober 2009
Aus rund 300 Einreichungen wurden 40 Filme ausgewählt, die vom 15.-18. Oktober 2009 im Wettbewerb um die Jury- und Publikumspreise konkurrieren. http://www.kurzfilmfest-muenchen.de/deutsch/index.html
Die 24 Stunden von Nürnberg
Internationales Kurzfilmfestival vom 13. bis 14. November 2009 http://www.nonstopfilm.info/
Die Serie mit 77 markierten Waldansichten von der Nordsee bis zur Adria ist die Rückführung des 231-Stelen-Themas zur Natur. Anstatt bearbeitetes Holz in den Landschaftsraum zu stellen, werden hier lediglich Bäume markiert und zusammen mit ihrer Umgebung als Kunstort deklariert. Die ursprüngliche Originalfotografie zeigt einen vorher genau festgelegten Ausschnitt, der sich dann mit Hilfe der Spiegelung zu einer zentrierten Gesamtkomposition zusammensetzt, So entstehen, je nach Jahreszeit und Art der Spiegelung, zarte lineare oder ornamentüberfüllte Bühnenbilder. Projekt WALD
Das Video „Fluß 2007“ ist in in die fünf Abschnitte Breitach, Erft, Nil, Mosel und Rhein gegliedert. Jede einzelne Flußdarstellung zeigt neben kurzen Realfilmclips, die den Betrachter auf das jeweilige Landschaftscharakteristikum einstimmen, lange gespiegelte und optisch veränderte Sequenzen, deren Kernmaterial meist mit statischer Kamera gedreht wurde. Einmal filmt die Kamera, auf dem Seitengeländer eines legendären Nildampfers montiert, das vorbeigleitende Nilufer, ein andermal steht sie am Rheinufer und erfaßt die langsam vorbeifahrenden Schiffe. Die Bildszenen werden mehrfach gespiegelt und mit langen weichen Überblendungen ineinander kopiert, sodaß ein Endprodukt von dichter künstlerischer Aussagekraft entsteht. Obwohl die Bilder verfremdet sind, hat man immer das Gefühl vor Ort zu sein, nicht zuletzt durch den charakteristischen Sound, der das jeweilige Lokalkolorit trifft.
Aufgenommen von Januar bis Oktober 2007. Länge: 48inuten Mehr zu den Filmen
231 Stelen
Eine Skulpturenkette im offenen Landschaftsraum Europas, die sich in die drei Gruppen von Holzstelen, gefundenen Stelen und Baumstelen gliedert. In Wäldern und Parks, in Innenstädten und an Ortsrändern, an einer Bahnstrecke und an einem Pilgerversammlungsplatz...
Von Norden nach Süden windet sich der Weg mit diesen skulpturalen Zeichen quer durch Kontinentaleuropa.
Zwischen 1995 und 2004 hat der in Bornheim bei Köln lebende Künstler Norbert Conzen 231 Skulpturen zwischen Usedom an der Ostsee und der französischen Mittelmeerküste bei Nizza aufgestellt oder markiert. Projekt STELEN
Installation "Wald im Wald" in der Ausstellung "Gipfeltreffen" - Kunstverein Artemedia Buchet
Norbert Conzen aus Bornheim zeigte die Videoinstallation "Wald im Wald". Diese Installation steht in einem kleinen Waldstück am Skulpturenweg. Der 4 qm große geschlossene Raum mit sechs Fenstern zeigt im Innenraum einen Tisch mit einem geometrischen Waldmodell. Die Außenwände sind mit einer gespiegelten Blätterszene bemalt, die wie eine Tarnung wirkt. Zusammen mit einer Videokonsole im Innern des Raumes, die Conzens Kunstvideo “Wald 2008” in einer Endlosschleife zeigt, wird die Aufmerksamkeit des mediengewohnten Menschen auf diese “Naturbetrachtung” gelenkt. Die Konzentration des Betrachter richtet sich auf das künstlische Objekt und nicht mehr auf die natürliche Umgebung. Die Installation ist eine Anspielung auf unsere Mediengesellschaft, in der Wissen und Erfahrung fast nur noch über Medien und die ständige Widerholung von Wissen transportiert werden. Eine eigene subjektive und haptische Erfahrung wird nicht mehr gemacht, Wissen wird konsumiert, durch die Duplizität von Berichten in TV, Zeitung und Radio zu einer unerschütterlichen Glaubwürdigkeit gebracht. Kunstverein Artemedia Buchet
WDR 5 - Sendung "Scala - Aktuelles aus der Kultur", 1. März 2010, 12.05 Uhr
Die Macher – Kulturschaffende aus NRW im Gespräch
Kunst im offenen Landschaftsraum: Der Künstler Norbert F. Conzen
Er malt, zeichnet, fotografiert, installiert und macht Kunstfilme, seine Werke heißen "Fluss" oder "Wald": Norbert F. Conzen aus Bornheim, Jahrgang 1954, ist vielseitig. So hat er in seinem Stelen-Projekt eine Skulpturenkette von 231 Stelen im offenen Landschaftsraum von der Ostsee bis zum Mittelmeer kreiert, um sie anschließend der Witterung auszusetzen. "Ich bin ein Allrounder", sagt Conzen über sich, und das stimmt: Neben seiner Arbeit als Künstler besitzt er eine Werbe- und Grafikagentur und ist Betreiber des Kunst- und Kulturportals ARTart.
In der Reihe "Die Macher" spricht Norbert F. Conzen in Scala über seine Arbeit als Künstler und Werber und die Bedeutung der Natur für seine Kunst.
Autor/in: Nadia Hanna; Redaktion: Sefa Inci Suvak; Moderation: Claudia Wiese
Grafiker Norbert Conzen aus Walberberg betrachtet in seinem Kurzfilm "Waldsterben" die Natur mit Spiegeln
Von Ulrike Strauch, Artikel vom 26.11.2009, General-Anzeiger
Bornheim-Walberberg. Der Wald ist eine Welt für sich - ein romantischer Mythos, die Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten, eine Oase (nicht nur) für stressgeplagte Stadtmenschen. Und er hat Schlagzeilen gemacht, als Anfang der 80-er Jahre der Begriff "Waldsterben" zusammen mit Zukunftsängsten und Kriegsgefahr zu einem Politikum wurde.
Der Wald des Norbert Conzen hat mit beiden Assoziationen nichts zu tun. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Auch wenn der siebenminütige Kurzfilm des Grafikers aus Walberberg den Titel "Waldsterben" trägt, fordert zunächst einmal die Kunst ihr Recht und lädt den Betrachter zu eigenen Gedanken ein.
Zum Beispiel zu dem an die bedrohliche Schönheit des Waldes in den Filmen des US-Regisseurs David Lynch. "Durchaus interessant", meint Conzen dazu im Gespräch über seine Arbeit. Der sieben Minuten lange Film entstand 2008/2009 als Teil eines zehnteiligen Zyklusses zum Thema "Wald" des Grafikers, Künstlers und Filmemachers, der seit 15 Jahren in Walberberg lebt.
Gedreht hat er das Rohmaterial in einem Waldstück nahe der Jugendakademie - inklusive zahlreicher Probeaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Dabei werden Bäume markiert und zusammen mit ihrer Umgebung als Kunstort deklariert. Die Bilder zeigen jeweils eine Waldszene mit fallenden Ästen, die sich durch die Technik der Spiegelung immer wieder neu zu einer Gesamtkomposition zusammensetzen - ähnlich wie bei einem Kaleidoskop.
Auf diese Weise entstehen, je nach Jahreszeit und Art der Spiegelung, naturgegebene "Bühnenbilder" - mal linear, mal voll von Ornamenten. Das "Waldsterben? wird somit zu einer ästhetischen Inszenierung, in der sich abbrechende Äste zu einer zuckenden und sich ständig verändernden Großskulptur verbinden. Unterlegt sind diese Bilder mit Warnrufen einheimischer Singvögel wie Amsel, Blaumeise, Zaunkönig und Eichelhäher.
"So bekommt der Film einen surrealen Charakter", fasst der 55-Jährige zusammen, der in Walberberg seine Werbeagentur ARTart.de betreibt. Einer der Schwerpunkte seiner Arbeit ist das Verpackungs- und Produktdesign für zahlreiche unterschiedliche Anbieter. Er hat Cover für CDs und Plakate entworfen, entwickelte Werbung und gestaltet den Hürther Kulturkalender.
Seinen ersten Film drehte er 1983. Titel: "Auf dem Mond ist nie was los." Es folgten unter anderem 1986 die Literaturverfilmung "Eisfischen" nach Siegfried Lenz mit einer Verbindung aus Zeichnungen und Realfilm sowie Buch- und Bildergeschichten für das Kinderprogramm "Siebenstein?.
Stolz ist Conzen auf "Schaum der Tage" (1993), eine Literaturverfilmung nach einem Roman von Boris Vian mit rund 350 Ölbildern.
Genau hinschauen und sich dafür bewusst Zeit nehmen, das ist Conzen als Filmemacher wichtig. Und das gerade in Zeiten der Videoclip-Ästhetik und der schnellen Bildfolgen. Dass er dabei auch gegen den Strom schwimmt, nimmt er gern in Kauf, tut es sogar bewusst. Dies umso lieber, als sein "Waldsterben" allein für vier internationale Festivals nominiert war: "Das Ballett eines sterbenden Waldes bringt beeindruckend hypnotisierende Bilder hervor", meinte die Jury des Shortmoves-Kurzfilmfestivals Halle.
Auch beim Internationalen Kurzfilmfest München, bei "Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation" und dem "One minute international film & video festival" im schweizerischen Aarau wurde Conzens Film anerkennend aufgenommen.
77 Wälder in ganz Deutschland hat Conzen für sein Projekt durchwandert, das in zehn Teilen insgesamt 45 Minuten fasst. Es ist damit auch eine ganz persönliche Liebeserklärung an einen vor 20 Jahren totgesagten und heute ebenso lebendigen Mythos. http://www.general-anzeiger-bonn.de/artikel.php?id=668405
Die Ästhetik des Waldsterbens
Von Uli Kreikebaum, 19.10.09, Kölner Stadt-Anzeiger
Norbert Conzen bezeichnet sich selbst als Allrounder. Er arbeitet als Designer und macht Kurzfilme. Mit einem davon ist er nun direkt bei vier Festivals im deutschsprachigen Raum gelandet, er heißt „Waldsterben“
Bornheim-Walberberg - In der Schule hatte Norbert Conzen in Kunst nur die Note „vier“. „Mich hat es nie interessiert, etwas nach Anweisungen zu zeichnen“, sagt er und beschreibt sich damit vermutlich ziemlich treffend. Wer Conzens Filme sieht - voller Spiegelungen und langsamer Kamerafahrten, eindringlich, verstörend, schwer verdaulich - kann schließen, dass da einer auf (künstlerische) Konventionen keinen gesteigerten Wert legt.
Als der Teenager Norbert Conzen seinem Hürther Realschullehrer seine Mappe mit Zeichnungen zeigte, „hätte der mir fast eine runtergehauen“, erinnert sich der heute 55-Jährige. „Warum hast du mir das nie gesagt? Du kannst an der Werkschule studieren“, habe der Lehrer gesagt - und läutete damit eine künstlerische Laufbahn ein, die nun einen weiteren Höhepunkt erfährt: Mit seinem Film „Waldsterben“ ist Conzen bei vier Kurzfilmfestivals für einen Preis nominiert.
Beim Internationalen Shortmoves-Kurzfilmfestival in Halle / Saale kamen insgesamt 24 Kurzfilme unter Hunderten eingesandten in die engere Preisauswahl. In Aarau (Schweiz) läuft eine Kurzversion des Waldsterben-Films. Das Festival „Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ ist populär, weil für das Projekt Filmemacher wie Tom Tykwer und Fatih Akin stehen. Besonders freut sich Conzen, dass er auch zum Internationalen Kurzfilmfest München eingeladen wurde.
Als 21-Jähriger erhielt Norbert Conzen 1976 das Max-Ernst-Stipendium, damit ist er bis heute der jüngste Preisträger. Der Wahl-Walberberger realisierte Filme für Arte, ZDF und den WDR, bestritt Ausstellungen mit seinen Bildern, Installationen, Zeichnungen und Fotografien und gestaltet jedes Jahr den Hürther Kulturkalender. Den Großteil seines Geldes verdient er jedoch als Produktdesigner.
Als „Allrounder“ bezeichnet sich Norbert Conzen selbst. Dass er mit seinem Kurzfilm „Waldsterben“ nun gleich zu vier Festivals fahren darf, wundert den gebürtigen Hürther: „Ich hatte das noch nie gemacht. Und ich hätte nie gedacht, mit so einem Thema Interesse wecken zu können.“
Conzens Kurzfilm ist keine leichte Kost: „Totentanz“ nennt er die surreale Bildfolge, für die er sich zweier Techniken bedient. Das Absterben der Bäume empfindet der Künstler nach, indem er in regelmäßigen Abständen Äste ins Bild fallen lässt. Eine besondere Ästhetik verleiht er dem Grauen, indem er die Bilder mit Hilfe eines Computerprogramms spiegelt: Die Äste, die zu Boden fallen, scheinen zu schweben, jedes Zittern nach dem Aufprall wird festgehalten. Im Hintergrund sind Singvögel zu hören, die eher bedrohlich als munter klingen.
„Die Katastrophe lässt sich ästhetisch darstellen“, sagt Conzen, wendet aber gleich ein, dass er mit „Waldsterben“ keinen Katastrophenfilm machen wollte: So ideologisch sei er nicht mehr; die Zeit, als er mit den Grünen gegen die Kernkraft und das Waldsterben kämpfte, sei vorbei. Die Ästhetik wolle er durch die Brechungen der Bilder schaffen. Es brauche - heutzutage mehr denn je - einen Anreiz, um hinzugucken und dabei zu bleiben. Dass es darum geht, Sehreize zu schaffen, habe er bei der Ausstellung zum Pressefoto des Jahres gelernt: Auf den Bildern ist meist viel Blut und Leid zu sehen, fotografiert aus überraschender Perspektive. „Die Bilder sind rein ästhetisch“, sagt Conzen. Auf diese Konvention, immerhin, lässt er sich ein. Ein wiederkehrendes Motiv in Conzens Filmen ist neben der Spiegelung die Langsamkeit. Die Kamera verharrt minutenlang oder wird im Schneckentempo gedreht, um unscheinbare Lichtreflexe oder Bewegungen mit Bedeutung aufzuladen. „Wir leben in einer Zeit des Bilderspektakels, in der niemand mehr richtig hinguckt. Wenn die Leute sich jetzt schon für meine Filme interessieren und in zehn Jahren, wenn sie von der Schnelligkeit genug haben, vielleicht noch mehr, dann freut mich das natürlich.“ Conzen sagt das langsam, in rheinischem Tonfall. Die Zeit kann ihm, so scheint es, nichts anhaben. http://www.rhein-erft-online.ksta.de/html/artikel/1246884019885.shtml
Bildgewaltiger „Totentanz“ des Waldes
Von MARGRET KLOSE, Bonner Rundschau 29.09.09
„Waldsterben“ heißt der Sieben-Minuten-Film, mit dem der Wahl-Walberberger Norbert Conzen auf der internationalen Film-Bühne zurzeit mächtigen Eindruck macht.
BORNHEIM. „Waldsterben“ heißt der Sieben-Minuten-Film, mit dem der Wahl-Walberberger Norbert Conzen auf der internationalen Film-Bühne zurzeit mächtigen Eindruck macht.
Gleich vier mal ist sein Kurzfilm für Preise nominiert: beim neunten Internationalen Shortmoves-Kurzfilmfestival Halle, beim Internationalen Kurzfilmfest München, bei „Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ und beim schweizerischen „one minute international film & video festival“ in Aarau.
Es könnten noch weitere Nominierungen hinzu kommen, denn insgesamt hat Conzen seinen Streifen „Waldsterben“ bei zehn Filmfestivals eingereicht. Dabei ist dies keiner der üblichen dokumentarisch-kritischen Filme, in dem in aller Deutlichkeit auf die drohende Umweltkatastrophe des Waldsterbens aufmerksam gemacht wird. „Der Film lebt von den Bildern“, sagt der 55-jährige Grafiker und Maler. Conzen spannt mit dem Film eine Brücke zwischen einem Kunstwerk und einem Dokumentarfilm. Für ihn ist der Streifen eine Art „Totentanz des Waldes“. Denn zu sehen ist eine beeindruckende Abfolge ästhetischer Bilder, die jedoch durch ihre besondere und eindrucksvolle Aufnahmen sehr wohl auch an die in den Medien ausgestrahlten Bilder der Nachrichtensender aus Katastrophengebieten erinnert.
Der in Hürth aufgewachsene Künstler lebt seit 15 Jahren in Walberberg. Und genau dort, wenige Schritte von seinem Wohnhaus entfernt, hat er im nahen Villewald sterbende Bäume mit der Kamera eingefangen. „Die Aufnahmen habe ich im Walberberger Wald tief im Unterholz und Gestrüpp, nahe des Hauptweges entlang der Jugendakademie gemacht“, erzählt er von den Dreharbeiten im vergangenen Jahr. Und nur zu gut sind ihm auch noch die vielen Zeckenbisse in Erinnerung, die er sich bei seinen Abstechern ins Unterholz zugezogen hatte.
Denn mit einem Ausflug ins Gestrüpp war der Film längst nicht im Kasten. Bevor die endgültige siebenminütige Fassung stand, marschierte er an fünf Drehtagen zu unterschiedlichen Tageszeiten los, machte Probeaufnahmen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Aus mehr als zwei Stunden Filmmaterial ist daraus der Kurzfilm „Waldsterben“ entstanden. Fertiggestellt wurde der Film schließlich zu Hause am Computer mit spezieller Schnitt- und Spiegeltechnik, mit der Conzen seit drei Jahren arbeitet. Dadurch verleiht er seinem Wald eine ganz besondere Symmetrie. Gleich einem sich ständig wandelnden Kunstwerk, lässt er die Bäume, abbrechende Äste und Zweige synchron „durch den Wald tanzen“. Verstärkt wird der „Totentanz“ durch die begleitenden Tonaufnahmen mit vor Ort aufgenommenen Warnrufen einheimischer Singvögel wie Amsel, Blaumeise, Zaunkönig und Eichelhäher. In den Vorbereitungen zu seinem Kurzfilm „Waldsterben“ hat Conzen in 77 Wälder in ganz Deutschland fotografiert, gezeichnet und überall auch Szenen aufgenommen. „Dabei sind zehn Kurzfilme entstanden.“
Leben kann Conzen von seinen Kurzfilmen jedoch nicht. Den Lebensunterhalt verdient sich der Maler und Künstler vorwiegend als Grafiker. In der Branche hat sich Conzen längst einen Namen gemacht. So entwickelt er Verpackungs- und Produktdesign für ganz verschiedene Anbieter, Cover für CDs, Plakate für die Bundeskunsthalle. Er hat die ersten Printmedien-Werbungen in den 1980er Jahren für einen großen Discounter mit entwickelt, und er hat bei der Printmedien-Werbung für Lebensmittel mitgewirkt. In seiner Heimat Hürth kennt man den „Walberberger Filmemacher“ auch als Gestalter des Hürther Kulturkalenders. http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1246895325187.shtml
Wasserwelten:
Das Auge wurde in die Irre geführt
Kölner Stadt-Anzeiger, 10.09.08. Von Susanne Neumann
... Zur literarischen Beschäftigung mit „Wasserwelten“ gesellte sich eine Visuelle. Fesselnd und anstrengend zugleich war auch der zweite Teil des Abends. Bis zu jener leichten Übelkeit, die man in der Magengegend empfindet, wenn man seine Augen überfordert, treibt den Betrachter das Kunstvideo „Fluss 2007“ von Norbert Conzen. Der vielseitige Bornheimer Künstler hat Filmaufnahmen von Flüssen per digitaler Bildbearbeitung gespiegelt. Bis zu acht Achsen durchziehen die meist mit statischer Einstellung gefilmten Flusslandschaften und Wasserbewegungen und bewirken, dass Schiffe, Enten oder auch Wellen mit sich selbst verschmelzen und in der Mitte des fließenden Bildes verschwinden, wie aus dem Nichts herausbrechen und zu neuen, bewegten Kunstgebilden werden.
Der Strom des Rheins wird mit vertikaler Spiegelung zum Himmel, bizarre symmetrische Muster entstehen. Wenn Conzen in seinen Filmsequenzen vom Nil die Achsen wandern lässt, scheinen sich Teile der Uferböschung und der darauf fahrenden Autos wie auf Kulissen zu bewegen, die hintereinander hin und her geschoben werden. Das so in die Irre geführte Auge sucht selbst dort nach der Spiegelung, wo mal keine ist. Bei anderen Filmsequenzen nimmt man die Spiegelung zunächst gar nicht wahr, zum Beispiel, wenn Conzen aus der Vogelperspektive eine senkrechte Achse in die Mitte des Laufs der Erft legt: Die absolute Symmetrie, in der dadurch die Uferböschungen zueinander liegen, erscheinen auf den ersten Blick natürlich. http://www.rhein-erft-online.ksta.de/html/artikel/1218660533563.shtml