NORBERT CONZEN - Kunstprojekte, Filme, Fotografien, Zeichnungen

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Stele 15 in Schlüsselfeld / Steigerwald - Fotografie, 75 x 50 cm, 2004


Die gesetzten Stelen (Holzskulpturen)
Conzen hat 77 kantige hölzerne Stelen skulptural und malerisch bearbeitet: Die Einkerbungen und Ausfräsungen am viereckigen Balken bedeuten eine Übertragung der zeichnerischen Schraffur ins Dreidimensionale – eine ornamentale Schnitztechnik, die an die Skulpturensprache in der Hoch- und Volkskunst verschiedener Kulturräume erinnert. Einige Stämme verjüngen sich an bestimmten Stellen oder verlaufen in Biegungen. Die Stelen sind s tat uarische Momente in einer europäischen Landschaft, die sich durch Baumaßnahmen und Rodung, durch politische Umwälzungen, durch planerische Umwidmung und durch Naturereignisse ständig ändert; mal radikal in kurzen Zeiträumen, und mal langsam und kaum wahrnehmbar im Laufe von Jahrzehnten.

Die gefundenen Stelen (Objet trouvé)
Weitere 77 Beiträge bestehen aus gefundenen Stelen – es sind stelenartige Objekte in Form von Wegweisern, Grenzsteinen, Schilderpfosten, Pfahlen oder Ausstellungsstücken in Museen. Bei ihrer Auswahl spielt die Ästhetik ihres Designs keine Rolle, auch nicht ihre praktische Zeichenfunktion, sondern lediglich ihre Formanalogie zu den Stelen. Grenzsteine und Schilder markieren bzw. kennzeichnen die Landschaft. Ihr Informationsgehalt und ihr kommunikativer Charakter ist zwar außerkünstlerisch definiert, gleichwohl können sie im Sinne einer künstlerischen Spurensuche dokumentarisch als eine eigene Gruppe von Zeichen am Weg in das Projekt integriert werden.
Gefundene Stelen

Die gewachsenen Stelen (Bäume)
Außerdem hat Conzen 77 im Landschaftsraum bereits vorhandene Bäume als Stelen eingesetzt (44 Buchen, 21 Eichen und 12 Tannen). Sie sind plastisch unbearbeitet geblieben und haben lediglich eine Markierung erfahren, indem der Künstler aus der Rinde ein kleines Viereck herausgeschnitzt und dessen glatte Fläche anschließend in der oben beschriebenen Weise ebenfalls in blau-weiß-grün ausgemalt hat. Die 44 markierten Buchen kennzeichnen den separaten Weg zwischen den zwei Stelen in Bornheim und Buchet an der deutsch-belgischen Grenze; er verläuft in Höhe des 50. Breitengrades und 6 Grad östlicher Länge und ist Bestandteil der Ausstellung "Stadt, Land, Fluß", die 2002 in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Artemedia verwirklicht wurde.
Baumstelen

Texte: Jürgen Raap


231 Stelen - Zeichen am Weg
Ein Projekt von Norbert Conzen

Eine Skulpturenkette im offenen Landschaftsraum Europas, die sich in die drei Gruppen von Holzstelen, gefundenen Stelen und Baumstelen gliedert. In Wäldern und Parks, in Innenstädten und an Ortsrändern, an einer Bahnstrecke und an einem Pilgerversammlungsplatz...
Von Norden nach Süden windet sich der Weg mit diesen skulpturalen Zeichen quer durch Kontinentaleuropa.
Zwischen 1995 und 2004 hat der in Bornheim bei Köln lebende Künstler Norbert Conzen 231 Skulpturen zwischen Usedom an der Ostsee und der französischen Mittelmeerküste bei Nizza aufgestellt oder markiert. Auch auf Mallorca ist eines der stelenförmigen "Zeichen am Weg" zu finden.
In den meisten Fällen hat Conzen mit den Behörden vor Ort kooperiert und ihnen überlassen, wie sie mit den Stelen umgehen wollten. Da diese Arbeiten nämlich nicht als Kunstwerke im klassischen Sinne gedacht sind, hat der Künstler überhaupt nichts dagegen, dass Wandervereine oder Kommunalbehörden an einigen Stelenpfosten nachträglich Wegweisertafeln angebracht haben – im Gegenteil: Gerade an diesen Beispielen zeigt nämlich sich eine funktionierende Integration der Stelen in die Alltagskultur.
Im Frühsommer 2003 waren noch 67 Stelen der 77 Holzstelen unversehrt vorhanden; lediglich 10 sind entfernt oder zerstört worden. Dies geschah zumeist in belebten Gebieten; an den abgelegenen Orten hingegen sind noch alle Stelen unverändert geblieben.

Die Zeichnungen zum Stelen-Projekt Norbert Conzen hat alle Stelen-Orte fotografisch dokumentiert und außerdem vor Ort die Landschaft in Aquarellen festgehalten. Diese Pinselzeichnungen sind alle in monochromem Blau angelegt – wie verblassende Erinnerungen, in denen nur noch das Bild einer besonders markanten Form im Gedächtnis verblieben ist, aber nicht mehr das einzelne, nuancenreiche Detail.
Zeichnungen zum Stelenprojekt

(Texte von Jürgen Raap)